Von Innovationen, Investitionen und Illusionen

Vizekanzler Gabriel unterstützt angekündigtes Investitionsprogramm von Bundesfinanzminister Schäuble / Wirtschaftstag der Volksbanken und Raiffeisenbanken 2014

Frankfurt, 6.11.2014 – Das von Bundesfinanzminister Schäuble angekündigte Zehn-Milliarden-Infrastrukturprogramm wird von seinem SPD-Kollegen Sigmar Gabriel unterstützt. Der Bundeswirtschaftsminister erklärte auf dem Wirtschaftstag der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Frankfurt, dieses Programm solle dazu beitragen, „zwei Riesenprobleme in Deutschland“ zu entschärfen: zu geringe Investitionen in die Infrastruktur und eine ebenfalls geringe Nettoinvestitionsquote in den Betrieben. Das Ziel einer „schwarzen Null“ im Haushalt sei dadurch nicht gefährdet.

Wirtschaftstag 2014

Der SPD-Politiker unterstrich, Investitionen in Europa und den Euro seien nicht reiner Altruismus, sondern Investitionen in die Zukunft Deutschlands. „Wir sind die wirtschaftlichen Gewinner Europas“, sagte Gabriel an die Adresse der Euro-Kritiker. Um den Fachkräftemangel, der sich vor allem im Mittelstand bemerkbar mache, abzubauen, sei es notwendig, die in den vergangenen Jahren entstandenen Warteschleifen vor der Berufsausbildung abzubauen. „Wir müssen außerdem wieder zurück in die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung. Leider geht der Trend derzeit in die andere Richtung“, kritisierte der Wirtschaftsminister. Gabriel warnte vor der Illusion, Deutschland könne gleichzeitig aus der Kernkraft und der Kohle aussteigen. Wichtig seien nämlich Versorgungssicherheit und akzeptable Preise.

„Grünes Fliegen“ erfordert radikal neues Denken

Dr. Tom Enders, CEO der Airbus Group, hat in der EU einen „neuen Geist“ ausgemacht. Die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit habe jetzt einen höheren Stellenwert als früher. „Ich bin noch nie so optimistisch aus Brüssel zurückgekehrt“, sagte Enders. Ein wichtiges Thema bleibe die Reduzierung von Fluglärm und Emissionen. „Grünes Fliegen“ erfordere radikales neues Denken. Innovationen seien ohne Risiken nicht möglich.

Krise hat EU auseinander getrieben

In seinen „Denkanstößen“ kritisierte Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments,  den britischen Premierminister Cameron als „Staatsschauspieler“, der in Brüssel stets mit Blick auf das heimische Publikum auftrete. Damit führe der Regierungschef sein Land aus der EU. Die Stärke Europas sei aber seine Einheit und nicht die Zwietracht. Die Krise habe die EU auseinandergetrieben.

Wachstum als „Mutter der Gerechtigkeit“

Zu Beginn des Wirtschaftstags hatte der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann, den aktuellen Streik der Lokführer scharf kritisiert.  Das Verhalten der GDL und ihres Vorsitzenden Claus Weselsky sei „fern jeder Verantwortung“ und unangemessen. Der DGB-Chef plädierte nachdrücklich für das Prinzip „Ein Betrieb – ein Tarifvertrag“.

Der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer, warnte davor, die Leistungsträger in der Gesellschaft immer stärker zu belasten. „Gerechtigkeit lässt sich nicht durch Umverteilung und Gleichmacherei herstellen“, betonte der Verbandschef in der Diskussionsrunde „Wachstum und Gerechtigkeit“. Langfristig ausgerichtetes Wachstum sei „die Mutter der Gerechtigkeit“.

Digitalisierung als Tsunami

Die dynamische Digitalisierung komme einem Tsunami gleich, sagte die Vorsitzende der Geschäftsführung von IBM Deutschland, Martina Koederitz. „Die Frage ist, ob wir diesen Tsunami wie eine Schnecke reiten oder wir einen Hengst“. Die sogenannte Industrie 4.0 bezeichnete Koederitz als besondere Chance für Deutschland.

Der frühere hessische Ministerpräsident und ehemalige Vorstandsvorsitzende von Bilfinger SE, Roland Koch, stellte fest, die Parteiprogramme würden von den Bürgern mehr und mehr danach beurteilt, welche Gefahren sie für die Wähler bergen. Koch diagnostizierte „eine Flucht vor Veränderungen“ in Deutschland, obwohl das Land „gigantische Chancen“ habe, wenn es bereit sei, diese Veränderungen anzunehmen.

Auch die VR Bank Südpfalz war mit über 40 Kunden und besonderen Gästen aus ihrem Geschäftsbereich in der vollbesetzten Jahrhunderthalle in Frankfurt vertreten.