5. VR-Winzerforum

Betriebliches Wachstum in Konkurrenz zur Altersvorsorge?

Experten informieren beim 5. Winzerforum der VR Bank Südpfalz über Zukunft von Mensch und Rebe

Christoph Ochs, Vorsitzender des Vorstandes der VR Bank Südpfalz, begrüßte rund 200 Winzerinnen und Winzer beim 5. VR-Winzerforum der VR Bank Südpfalz im Dorfgemeinschaftshaus „Kinck’sche Mühle“ in Godramstein. Zukunftsfähigkeit bewegte die Branche bei unserem letzten Forum. „Mit diesem Schlagwort fielen uns die Themen wie von selbst vor die Füße“, so Ochs. In Zusammenarbeit mit Professor Dr. Ulrich Fischer und Dr. Jürgen Oberhofer vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz (DLR) in Neustadt konnte die VR Bank Südpfalz wieder ein interessantes und praxisorientiertes Forum gestalten. „Landwirte und Winzer sind immer noch die größte Kundengruppe unseres Hauses. Wir fühlen uns der Branche sehr verbunden und freuen uns, Ihnen mit unserer Veranstaltungsreihe „VR-Winzerforum“ eine Plattform für Informationen und den Austausch mit Experten zu bieten.“

Tipps und Anregungen erhielten rund 200 Gäste beim 5. VR-Winzerforum von Experten aus Weinbau und Finanzen (v.l.n.r.): Klemens Gadinger (Prokurist und Leiter Firmenkundenbetreuung der VR Bank Südpfalz), Christoph Ochs (Vorstandsvorsitzender der VR Bank Südpfalz), Dr. Jürgen Oberhofer (Gruppenleiter Weinbau des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum) und Professor Dr. Ulrich Fischer (Abteilungsleiter Weinbau und Oenologie des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum).

Ist es besser in den Betrieb zu investieren oder doch in die Altersvorsorge? Diese Frage stellte Dr. Oberhofer, Gruppenleiter Weinbau beim DLR, den Zuhörern. Von einem Rechenbeispiel eines 1948 geborenen Winzers, der 40,5 Jahre in die landwirtschaftliche Alterskasse eingezahlt hat und bei Renteneintritt rund 470 Euro erhält, war keiner überrascht. Und wieso ist das Altersgeld so gering, beantwortete Oberhofer provokant: „Weil Sie so wenig eingezahlt haben.“ Da in der Landwirtschaft Grundbedürfnisse, wie Essen, Trinken und Wärme, vorhanden waren, deckte die Alterskasse stets nur die Grundversorgung ab, erläuterte Oberhofer. Durch Altenteil und Nießbrauch war das Alter abgesichert. Doch mit 66 Jahren fängt das Leben heute erst richtig an, zitierte der Weinbauexperte Udo Jürgens. Mit einer Grundversorgung ließen sich da keine großen Sprünge machen und riet allen Anwesenden, früh mit der Altersvorsorge zu beginnen. „Wenn nicht jetzt wann dann“, so Oberhofer und zeigte eine Statistik in der sich die Gewinne der Weinbaubetriebe seit 2001 mehr als verdoppelt haben. Doch für Oberhofer ist die Euphorie derzeit zu groß: „Es wird zu viel in die Betriebe investiert und die gute wirtschaftliche Lage nicht genutzt, um eine private Altersvorsorge aufzubauen.“ Alterssicherung sollte zu wesentlichen Teilen über private Vorsorge erfolgen, um den Betriebsnachfolger von der Altenteilzahlung zu entlasten. Oberhofer empfahl: „Lassen Sie die Vinothek oder den Holzfasskeller Ihren Nachfolger bauen.“

Oberhofer nannte als drei goldene Regeln der Vermögensanlage „Streuung, Streuung und Streuung“. Alles in den Betrieb zu investieren, widerspricht dieser Regel elementar, warnte Oberhofer. Lebensversicherungen haben eine gute Bonität, aber eine geringe Rendite. Wenn man heute eine Lebensversicherung abschließe, dann doch besser fondsgebunden. Für junge Menschen mit langem Anlagehorizont gehe nach Oberhofer aus Renditegründen kein Weg an Aktien vorbei. Sollte das Detailwissen fehlen, böten Fonds oder Indexzertifikate eine gute Alternative. Als Faustformel für den Aktienanteil im Vermögen nannte Oberhofer „100 minus Lebensalter“, also könne bei einem 30-jährigen der Aktienanteil 70 Prozent betragen. Empfehlen konnte Oberhofer auch den kontinuierlichen Kauf von Anteilen über einen Sparplan: „Viel von einem Gut kaufen, wenn es billig ist; wenig wenn es teuer ist.“ Die Rürup-Rente sieht Oberhofer als echte Alternative zum Maschinenkauf, wenn dieser primär aus steuerlichen Gründen erfolge. „Die Riesterrente dürfen sich junge Familien nicht entgehen lassen“, so Oberhofer und hielt die Anwesenden an, mehr Zeit zu investieren, die richtige Entscheidung für die Vorsorge zu treffen.

Lösungskonzepte für die von Oberhofer genannten Möglichkeiten, so Klemens Gadinger, Prokurist und Leiter Firmenkunden der VR Bank Südpfalz, ließen sich mit der systematischen Beratung der Bank individuell und ganzheitlich erstellen. „Wir setzen hier hohe Maßstäbe – die Messlatte aber ist und bleibt das, was Ihnen wirklich nützt“, ist Gadinger überzeugt von den TÜV-zertifizierten Beratungsinstrumenten des Hauses.

Gleich vier Rebsorten mit Zukunft im Zeichen des Klimawandels stellte Professor Dr. Ulrich Fischer, Abteilungsleiter Weinbau und Oenologie beim DLR, von Jungwinzern aus dem Förderprogramm „Die junge Südpfalz, da wächst was nach“ in seinem Vortrag nicht nur vor, sondern lies die Gäste auch davon probieren.

Der Riesling, sei ein Gewinner des Klimawandels, wird aber auch erhöhten Risiken ausgesetzt sein. Das wärmere Klima bringe reifere Trauben und damit einen angenehmeren Säuregehalt. Allerdings nehme Botrytis (Fäulnis) verstärkt zu. Gleichzeitig erweitere sich das Lagenportfolio des Rieslings, was zu mancher positiven Überraschung auf Kalkböden oder Löss-Lehm-Böden geführt habe. Die Vielfalt des Rieslings habe durch den Klimawandel deutlich zugenommen. Profitieren würden auch der Chardonnay sowie Weißer und Grauer Burgunder. „Weißburgunder kann neben Riesling identitätsstiftend sein für die Pfalz. Das Stilportolio geht von Sektgrundweinen, über fruchtige Trinkweine bis hin zu dichten Spitzenweinen“, so Fischer. Chardonnay habe den Vorteil, dass er weniger anfällig für Fäulnis sei, der Grauburgunder laufe eher als me-too-Produkt der erfolgreichen Burgunderreihe mit. Auch der Sauvignon blanc würde mehr und mehr angebaut werden. Fischer bezeichnete ihn jedoch, in Anlehnung an einen Song von Paul Simon, als one-trick-pony: „Der Sauvignon blanc kann nur fruchtig und laut – das aber gut.“

Spätburgunder sieht Fischer neben dem Riesling als zweite identitätsstiftende Sorte für die Pfalz. „Man lechzt nach mehr deutschen Spätburgundern im Export“, so der Weinbauexperte. Auch bei den Rotweinen haben die Deutschen noch weitere Klassiker auf dem Markt. Allen voran der Dornfelder. Fischer bescheinigte ihm ein stabiles und ökonomisch wertvolles Rückgrat. „Der Klimawandel ermöglicht dem Dornfelder die Ausreifung von betriebswirtschaftlich sinnvollen Erntemengen bei 75-80 Grad Oechsle“, so Fischer. Portugieser, davon 90 Prozent Weißherbst, werde gerade von Roséweinen einzelner Rebsorten oder ihren Verschnitten abgelöst. Eine Vielzahl von roten pilzwiderstandsfähigen Rebsorten ringe um die Akzeptanz der Verbraucher und finde sich derzeit in erster Linie in Cuveés wider.

Internationale Klassiker, wie der Cabernet Sauvignon, bergen auch im Klimawandel das Risiko, nicht in jedem Jahr zu reifen. Cabernet Franc würde zwar früher reifen, sei aber fäulnisanfälliger und hätte kein Image in Deutschland. Im Image ebenfalls hinter dem Cabernet Sauvignon und auch dem Syrah, als Nischenprodukt mit Exotenstatus, stände der Merlot.

Fischer resümierte, dass der Klimawandel im Durchschnitt reifere Trauben bringe, aber auch mehr klimatische Variationen zwischen den Jahren. Losgelöst von wärmeren Temperaturen würden Rebsorten, wie Silvaner und Portugieser, wegen abnehmender Nachfrage verschwinden. Der Klimawandel verändere die weinbaulichen Anbaumethoden und die Standorteignung – weniger das aktuelle Portfolio der Rebsorten. Der Weinbauexperte rechnet damit, dass der Reifefortschritt das Rebsortenspektrum, in erster Linie um die internationalen Klassiker, erst ab 2025 erweitere. „Hier sind wir noch nicht soweit, diesen Schritt zu gehen“, so Fischer und verspürte auch keine Eile. „Mit den Dingen, die wir gut verstehen, können wir bereits hervorragende Weine machen.“

Ochs bedankte sich bei den Referenten für die kompetenten Ausführungen und lud alle Gäste zum Dialog ins Erdgeschoss der ehemaligen Mühle ein, wo die „Junge Südpfalz“ weitere Weine zum Buffet anbot.