Die Nachfolge frühzeitig regeln

Veranstaltung „Nach mir die Sintflut? Unternehmensnachfolge“ in Landau

Den Generationenwechsel frühzeitig planen und die Nachfolge an der Unternehmensspitze regeln: Laut einer Untersuchung des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn (IfM) gilt dies für rund 6.200 Betriebe in Rheinland-Pfalz in den nächsten Jahren.

Vorstandsvorsitzender der VR Bank Südpfalz Christoph Ochs (rechts) informiert über Unternehmensnachfolge aus Sicht der Banken. Links im Bild das Vorstandsmitglied der VR Bank Südliche Weinstraße Martin Schöndorf. (Quelle: ISB/Stefan F. Sämmer)

Die gründliche und frühzeitige Vorbereitung von Betriebsübergaben ist gerade für kleine und mittlere Unternehmen besonders wichtig, lautete das Fazit der Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft bei der Veranstaltung „Nach mir die Sintflut? Unternehmensnachfolge“, zu der das Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung, die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) und die südpfälzischen Volksbanken und Raiffeisenbanken nach Landau eingeladen hatten.

In seinem einleitenden Vortrag „Unternehmensnachfolge in Rheinland-Pfalz“, sagte Staatssekretär Uwe Hüser vor rund 230 Gästen: „Wir brauchen Kontinuität in unseren Unternehmen. Fehlt ein Nachfolger, geht Wirtschaftswissen, gehen Wirtschaftskraft und Arbeitskräfte verloren. Das Thema ist von großer Bedeutung nicht nur für den einzelnen Betrieb, sondern für das ganze Land. Mein Ziel ist es daher, Interessierte für die Unternehmensübernahme als eine Form der Gründung zu interessieren und Unternehmer bei der rechtzeitigen Vorbereitung der Unternehmensübergabe zu unterstützen.“

„Wer ein Unternehmen übernimmt, ist fast immer ein Existenzgründer, der mit der Übernahme eine selbstständige Existenz aufbaut“, so Ulrich Dexheimer, Sprecher des Vorstandes der ISB. „Als Förderbank des Landes unterstützen wir neben komplett neuen Projekten daher immer wieder Unternehmen mit funktionierendem Geschäftsmodell, sich infolge einer Nachfolge neu auszurichten.“

Christoph Ochs, Vorstandesvorsitzender der VR Bank Südpfalz eG, sagte: „Die Unternehmensnachfolge ist eine komplexe Entscheidungssituation im Leben eines Unternehmers und des potentiellen Nachfolgers. Rechtzeitiges Loslassen bedeutet oftmals den Erhalt des Lebenswerkes eines Unternehmers. Die VR Bank Südpfalz hilft sowohl ausscheidenden Firmeninhabern als auch potentiellen Nachfolgern in den verschiedenen Phasen des Übergangs.“ Martin Schöndorf, Vorstandesvorsitzender der VR Bank Südliche Weinstraße eG bekräftigte: „Als Partner des Mittelstandes in der Region ist uns die Zukunft der Unternehmen an der Südlichen Weinstraße wichtig. Die Nachfolgeregelung ist ein Baustein in vielen Beratungsgesprächen, um gemeinsam mit unseren Kunden frühzeitig eine Regelung zu treffen."

Zum Thema „Fit für die Übergabe – Ökonomische Attraktivität Ihres Unternehmens“ referierte Mario Görner, Direktor in der VR Corporate Finance GmbH: „Familienexterne Nachfolgelösungen gewinnen zunehmend an Bedeutung: Mehr als jede dritte Nachfolge wird außerhalb der Familie geregelt.“

Marc Watgen, Leiter des IHK-Dienstleistungszentrums in Landau, Bernd Bauerfeld, Geschäftsbereichsleiter Gewerbeförderung der Handwerkskammer der Pfalz, und Dr. Rainer Krein, Präsidiumsmitglied der Steuerberaterkammer Rheinland-Pfalz, diskutierten über die passende Übergabeform von Unternehmen. „Für gute Nachfolger im Mittelstand wird es langsam eng – deshalb brauchen wir mehr Gründungskultur in Deutschland", erklärte Watgen.

Die Gründung und Übernahme eines Unternehmens steht und fällt mit der Finanzierung des Vorhabens. Einen Überblick über die Finanzierung und Förderung für Unternehmensgründer und ihre Nachfolger gaben Roland Wagner, Bereichsleiter Mittelstands-, Kommunalfinanzierung der ISB, Christoph Ochs und Martin Schöndorf im Gespräch zu Finanzen.

Zum Abschluss sprach Prof. Dr. Stefan Bieler, Abteilungsleiter BWL der Fachhochschule für die Wirtschaft Hannover (FHDW), über die psychologischen Aspekte der Unternehmensnachfolge. „Ein Unternehmer muss Entscheidungen treffen, die er voraussichtlich nur dieses eine Mal in seiner unternehmerischen Karriere trifft, und hat in dieser Richtung keine oder nur geringe Erfahrungen. Es betrifft sein Lebenswerk und ist mit viel Emotionalität behaftet.“

Quelle: ISB/Stefan F. Sämmer